Cape Reinga bis zum Waipoua Kauri Forest
Während wir Abends die Landkarte der beiden neuseeländischen Inseln studierten, setzten wir uns das Ziel, in den nächsten fünf Wochen vom nördlichsten Punkt der Nordinsel bis zum südlichsten Punkt der Südinsel zu reisen.
Für uns bedeutete das von der Bay of Islands zunächst gen Norden zu fahren. Unser nächster Halt: Cape Reinga!
Auf dem Weg kamen wir auch in Waitangi, der „Geburtsstätte“ Neuseelands vorbei. Im Jahr 1840 wurde dort der „Treaty of Waitangi“ – der Vertrag von Waitangi – zwischen den Maori Chiefs und der britischen Krone unterzeichnet. Durch diesen Vertrag wurde Neuseeland offiziell eine Kolonie und gehörte von nun an zum britischen Empire. Den Ort der Unterzeichnung kann man im Waitangi Treaty Grounds Museum für 40 NZD p. P. besichtigen. Im Preis inbegriffen ist unter anderem eine Maori-Aufführung sowie ein traditioneller Haka-Tanz. Wir betraten zunächst die Eingangshalle des Museums und wurden von einigen Maori in klassischer Tracht mit Beil und einem freundlichen „Kia Ora“ empfangen. Für uns war der Ort leider zu viel Show und zu wenig authentisch, so dass wir uns gegen einen Besuch des Museums entschieden und weiter Richtung Norden fuhren.
An diesem Abend waberten dicke Nebelschwaden über das Kap und machten einen Weitblick unmöglich. Einen Stellplatz für die Nacht fanden wir auf dem Tapotupotu-Campingplatz direkt am Meer. Für 8 NZD p. P. bietet der Campingplatz einen wahnsinnig schönen Ausblick! Es gibt Plumpsklos und kalte Duschen.
Am nächsten Morgen hatten wir mehr Glück. Der Nebel lichtete sich und gab den Blick auf den Cape Reinga-Leuchtturm preis!
Über den Te Paki Coastal Track gelangten wir vom Parkplatz bis zum Leutturm.
Für die Maori ist das Cape Reinga ein heiliger Ort. Hier, wo die Tasmanische See und der Pazifische Ozean aufeinandertreffen, finden die Seelen der verstorbenen Maori ihren Frieden. Die Asche der Verstorbenen wird in das Meer gestreut und in den Wurzeln des heiligen Baumes aufgenommen, so die Sage der Ältesten.
Am „meeting point“ – dem Treffpunkt, an dem die Tasmanische See und der Pazifische Ozean aufeinandertreffen – entstehen hohe Wellen und das Meer kommt niemals zur Ruhe.
Der Besuch des Cape Reinga war unvergesslich schön und ist den Abstecher in den „weiten Norden“ auf jeden Fall wert.
Fairerweise muss ich an dieser Stelle anmerken, dass entgegen der landläufigen Meinung, Cape Reinga NICHT der nördlichste Punkt der Nordinsel ist. Beim nördlichsten Punkt der Nordinsel von Neuseeland handelt es sich um das Surville Cliff am North Cape. Unsere eingangs erwähnte Zielsetzung wurde aus diesem Grund zwar ein wenig eingeschränkt, aber das sei nur nebenbei erwähnt…
Wir setzten unsere Reise fort und besuchten auf dem Weg Richtung Süden die Te Paki Giant Sand Dunes. Lediglich ein kleines, leicht zu übersehendes Schild weist auf die Existenz der riesigen Sanddünen hin.
Ein Sandboard-Verleih bietet eine Art Surfbretter an, mit welchem man die Dünen auf schnellstem Wege wieder herunter surfen kann. Eine anstrengende und zumeist auch nervenaufreibende Freizeitbeschäftigung.
Von einem Parkplatz aus gibt es mehrere Wege um die Sanddünen zu erklimmen. Trockenen Fußes kommt man allerdings nicht zu den Dünen, da sich der Te Paki Stream dicht am Sand bis zum Ninety-Mile-Beach und in die Tasmanische See schlängelt.
Wir mussten schmunzeln, als wir das Schild „Caution – Beware of oncoming traffic“ an einer Stelle sahen, wo wir dies für unmöglich hielten. Aber bereits kurz danach wurden wir eines Besseren belehrt. Ein Bus, vollbesetzt mit Touristen, brauste durch den Fluß – der ganz nebenbei bemerkt „Te Paki Stream Road“ heißt – an uns vorbei…
Da vom Camperverleih strikt verboten, mussten wir den Ninety-Mile-Beach per pedes besuchen…
Der entgegen seinem Namen, lediglich 88 Kilometer lange Strand, zieht sich von Cape Reinga bis nach Kaitaia. In Ahipara, am Ende – oder Anfang – des Strandes gingen wir einige Meter spazieren. Wir waren froh, dass wir die Strecke über Land genommen hatten, denn die bietet wesentlich mehr Abwechslung als der Strand…
An diesem Abend fuhren wir noch bis nach Opononi, wo wir die Nacht auf einem Euch bereits bekannten Platz verbrachten…
Der Waipoua Kauri Forest war das nächste Ziel, bei dem wir uns die ältesten und größten Bäume Neuseelands ansehen wollten. Bevor man allerdings den geschützen Bereich der alten Riesen betreten darf, muss man sich einer ordentlichen Schuhreinigung unterziehen!
Die Reinigung soll dazu dienen, die Bäume vor einer Infizierung mit Schimmelsporen oder Insekten, die unter den Schuhsohlen haften könnten, zu schützen.
Im Laufe unserer Reise durch Neuseeland waren wir schockiert, wieviele Hektar der ursprüglichen Bewaldung durch die frühen Siedler gerodet worden waren. Viele kahle Kuppen waren uns bereits begegnet und begegneten uns noch. Es tat gut, vor diesen alten und ehrwürdigen Geschöpfen zu stehen.
Als wir bei Te Matua Ngahere, dem Vater des Waldes standen und diesen Ort auf uns wirken ließen, traten zwei Maori-Frauen zu uns. Sie waren genau wie wir, unglaublich begeistert. Eine der Frauen sagte, dass es kaum vorstellbar sei, das etwas so Riesiges aus der Erde hervorgehen kann…

