Tag 15
Mammoth Lakes – Lee Vining – Mono Lake – Yosemite – Mariposa
Am 10.10.2015 verließen wir unser Hotel bereits früh am Morgen, denn wir hatten an diesem Tag viel vor. Zunächst fuhren wir über die 395 bis Lee Vining. Wir wollten uns gerne den nahegelegenen Mono Lake ansehen und besuchten das dortige Vistor Center. Dort erfuhren wir von einem Ranger, dass sich für einen kurzen Besuch das Mono Lake Tufa State Natural Reserve anbieten würde.
Über die Picnic Shortcut Road gelangten wir an ein Rangerhäuschen. Von dort führte ein Steg in das Reservat des Sees.


Der Mono Lake ist ein Natronsee. Das bedeutet, dass das Wasser sowohl sehr alkalisch als auch sehr salzhaltig ist. Es fühlt sich leicht schmierig an und die Luft ist von einem undefinierbaren Geruch erfüllt. Mal riecht es nach faulen Eiern, mal nach Meerluft.
Das Seeufer ist übersät von Salzfliegen, die den hellen Schlamm schwarz färben. Kommt man ihnen zu nahe, steigen sie in riesigen Schwärmen auf und ein lautes Summen durchbricht die Stille.
Die bizzaren Kalktuff-Gebilde ragen in unterschiedlichen Formen aus dem Boden. Es ergibt sich ein surreal anmutendes Bild.


Im Mono Lake traten Quellen aus, in deren Wasser gelöster Kalk (Calciumcarbonat) aus den umliegenden Bergen und Vulkankratern transportiert wurde. Durch die unterschiedlichen pH-Werte, welche durch diesen Vorgang aufeinandertrafen, kam es zur Ausfällung und unter Wasser entstanden Kalktuff-Säulen.
Das Wasser des Mono Lake wurde in der Vergangenheit für die Trinkwasserversorgung in Los Angeles genutzt und dafür über Pipelines abgeführt. Da der Wasserspiegel dadurch kontinuierlich absank, wurden die Kalktuff-Gebilde sichtbar.
Mittlweile sind im Naturschutzgebiet des Mono Lakes einige Vogelarten beheimatet, die im Laufe der Zeit gelernt haben, sich an den harschen Lebensraum anzupassen.

Nach dem Besuch des einzigartigen Sees wurde es jetzt richtig spannend! Denn unsere Route sollte nun weiter über den Tioga-Pass in den Yosemite Nationalpark führen. Da es aber bereits Oktober war, konnte es passieren, dass der Pass gesperrt wurde. Wir hatten schon seit Tagen immer wieder die Homepage des Nationalparks geprüft und die Nachrichten im Radio verfolgt. Bis jetzt schien der Pass noch geöffnet zu sein, aber was, wenn wir die Nachricht der Schließung doch verpasst hatten! Das wäre ein unglaublicher Umweg gewesen…
Aber wir hatten Glück. Der Pass war geöffnet und die Sonne strahlte uns entgegen. Zwar wurde es wieder ein paar Grad kälter, aber die Straße war ohne Probleme befahrbar.


Während der Fahrt auf dem Pass hielten wir an mehreren Aussichtspunkten. Die Landschaft wurde immer grüner, Bäume säumten die Straße, schroffe Granitfelsen erstreckten sich gen Himmel.

Noch nie zuvor hatten wir so riesige Granitberge gesehen! Sie schimmerten graublau in der Sonne. In der Ferne konnten wir bereits den über 4000 ft (= 1219,2 m) hohen Half Dome ausmachen.
Unser nächster Halt war die Tuolumne Grove. Dort wanderten wir einen ca. 2 Meilen langen Weg, der uns zu einigen der größten Sequoias der Welt führte. Wieder waren wir absolut überwältigt von der Schönheit dieser riesigen Lebewesen.

Der Rundweg führte uns aber nicht nur an den schönen Seiten des Waldes vorbei. Auch die Spuren des letzten Waldbrandes waren noch deutlich zu erkennen. Einige dieser riesigen Schönheiten hatten die Hitze des Brandes nicht überlebt.

Wie groß diese Bäume wirklich sind, lässt sich auf einem Bild schlecht darstellen. Man muss es einmal mit eigenen Augen gesehen haben, um die Ausmaße begreifen zu können.


Von der Tuolumne Grove fuhren wir weiter ins Yosemite Valley. Im dortigen Visitor Center sahen wir uns einen Film über den Nationalpark an und erkundigten uns nach den nächsten Aussichtspunkten.
Bei einer Fahrt durch das Yosemite-Tal konnten wir einige tolle Blicke auf die Granitberge erhaschen. Einer der berühmtesten dort ist der El Capitan.


Über den Tunnel View ging es dann pünktlich zum Sonnenuntergang zum Glacier Point.



Rotgold leuchtete die Spitze des Half Dome vor uns. Daneben das bereits im Schatten liegende Tal des Mirror Lake.
Die Sonne war bereits um 06:30 p.m. am Horizont verschwunden und wir begaben uns auf den Weg nach Mariposa. Unser Nachtlager war das Motel „Mother Lode Lodge“.
Einem Tipp des Besitzers der Lodge folgend nahmen wir unser Abendessen im „1850“ ein. Ein kleines Restaurant am Central Yosemite Highway gelegen. Die Speisekarte bot Burger in allen erdenklichen Ausführungen. Dabei handelte es sich aber keineswegs um Burger wie man sie in einem Schnellimbiss findet, sondern um ein richtig edles Burgerrestaurant. Das Essen war fantastisch! Die freundliche Bedienung brachte ein Menue aus Suppe, Fries, Salat und Burgern. Nach einem solch ereignisreichen Tag genau der richtige Abschluss!
Tag 16
Mariposa – Oakland – San Francisco – Oakland
Am Morgen frühstückten wir zuerst einmal bei „Happy Burger“. Das typisch amerikanische Diner servierte das wohl fettigste Frühstück, das wir beide je gesehen und gegessen haben. Aber Fett ist ein Geschmacksträger, das heißt, es war totzdem lecker! Und warum sollte man Toast nicht in Butter braten?!
Mit fett… ähm vollen Magen fuhren wir über Land Richtung San Francisco.
Während der Fahrt konnten wir eine wunderschöne Landschaft bestaunen. Vor allem die unzähligen saftiggrünen Mandelbäume und Weinreben waren eine wahre Augenweide.
Wir fuhren in aller Ruhe so vor uns hin, als ich plötzlich eine Vollbremung machte. Zuerst dachte ich, ich träume. Da hatte ich doch gerade auf der Straße eine riesige Spinne gesehen! Ich machte den Rückwärtsgang rein. Jens verdrehte die Augen, klar eine riesige Spinne…

Aber als wir die braune Tarantel im Gras sitzen sahen, verging auch Jens das Lachen. Na gut, diesmal hatte ich nicht übertrieben…
Kurz vorher hatten wir überlegt unsere Decke im Gras auszubreiten und ein Picknick zu machen. Gut, dass wir uns dagegen entschieden hatten.
Einige Kilometer weiter, winkten uns drei Personen vom Straßenrand zu. Zwei Männer und eine Frau standen neben zwei Motorrädern und sahen etwas unglücklich drein. Mit einem zunächst etwas unwohlem Gefühl hielten wir an. Ich hatte im Reiseführer gelesen, dass man stets anzuhalten hatte, wenn eine Person mit einem defekten Fahrzeug am Straßenrand stand.
Die Dame erklärte uns, dass das Motorrad ihres Freundes nicht mehr ansprang. Ohne Erfolg durchsuchten wir unseren Mietwagen nach einem Startkabel. Währenddessen unterhielten wir uns ein bisschen und erfuhren, dass die braune Tarantel überall in der Gegend vorkam und wir tatsächlich auf ein Picknick im Gras verzichten sollten. Die drei waren wirklich sehr nett und gaben uns noch den ein oder anderen Tipp.
Aus der Not heraus versuchten wir es mit Anschieben. Es war ein Bild für die Götter! Nach einigen Metern sprang die Maschine an und die Drei konnten weiterfahren. Mit ihren Motorrädern waren sie wesentlich schneller als wir und so kam es, dass wir sie zwar direkt aus den Augen verloren, sie aber nach ca. 10 Kilometern erneut winkend am Straßenrand standen. Das gleiche Spiel von vorn…

Nach einer Weile kamen wir in unserem Motel „Imperial Inn“ in Oakland an. Ein Hotel mitten in San Francisco wäre sehr teuer gewesen und so hatten wir uns für Oakland entschieden. Mit der Bahn dauerte die Fahrt bis mitten in die Stadt gerade einmal 20 Minuten. Für die Hin- und Rückfahrt zahlten wir pro Person $7, mit dem Auto wäre es nicht nur viel komplizierter, sondern auch teurer gewesen! In San Fransisco muss man bedenken, dass man auch das Überfahren der Brücken bezahlen muss. Allerdings nur die Überfahrt nach San Francisco hinein. Verlässt man die Stadt, zum Beispiel über die Golden Gate Bridge, kostet das nichts.
In San Francisco angekommen, bekamen wir zunächst mal einen Schreck. Gerade ein paar Minuten vor unserer Ankunft war wohl ein Fahrradfahrer von einem Bus erfasst und tödlich verletzt worden. So waren Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr dabei den Tatort in der Marketstreet abzusperren.

Betroffen setzten wir unseren Weg Richtung Chinatown fort. Dort wurden wir nach Passieren des Tores in der Grant Avenue direkt durch bunte Lichter, seltsame Gerüche, chinesische Musik und Lontong (süßer Reis im Bananenblatt) abgelenkt. In der Eastern Bakery erwarben wir die köstlichen Lontongs sowie chinesische Mooncakes.
Für jeden der Süßigkeiten mag, ist die Bäckerei in der 720 Grant Avenue wärmstens zu empfehlen!


Kurz danach besuchten wir eine Glückskeksbäckerei. Dort falteten die Angestellten die Kekse mit großer Sorgfalt selbst. Natürlich statteten wir uns auch mit einer Tüte der leckeren Kekse aus und erfuhren somit von unserer stets glücklichen Zukunft…
Obwohl wir zunächst skeptisch waren, da wir ja nun San Francisco und nicht Peking sehen wollten, war Chinatown einen Besuch wert!
Besondern interessant fand ich eine Dame mit ihrem Hund:

Noch nie hatte ich einen Hund mit solch schönen Schuhen gesehen! 😀
Vermutlich waren es Designer-Schuhe, denn warum sonst durfte der Hund damit nicht selbst laufen?
Wir verließen Chinatown und besuchten den Pier 39. Dort ging es heiß her, überall volle Restaurants, Ringelpiez, Musik und Touristen wohin man sah. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung und jeder schien guter Dinge zu sein.

Direkt am Pier hatten es sich zahlreiche Seeelefanten bequem gemacht und bereits den Feierabend eingeläutet.
Es war eine wahre Freude den Tieren zuzusehen! Sie ließen sich auch durch die vielen Touristen nicht im Geringsten stören.
Vom Pier aus hatte man einen wunderschönen Blick auf Alcatraz. Die Insel strahlte in der untergehenden Sonne, ganz so als habe sie keine schreckliche Vergangenheit…
In der Fischerman’s Wharf gönnten wir uns noch zwei Shrimp-Sandwiches, bevor wir wieder zurück in unser Motel nach Oakland fuhren.



Tag 17
Oakland – San Francisco – Oakland
Am 12.10.2015 fuhren wir schon früh mit dem Zug Richtung San Francisco. An diesem Tag hatten wir uns viel vorgenommen. Bereits vor Tagen hatten wir bei Alcatraz-Island-Tickets einen Ausflug auf die Insel gebucht.
Doch zunächst stiegen wir in der „16th-Mission“ aus und besuchten das älteste Bauwerk San Franciscos, die Mission Dolores. Eine römisch-katholische Mission der spanischen Missionen in Kalifornien.
Per pedes ging es von dort aus weiter durch den Mission District bis zu den Painted Ladies.


Die bunten Damen aus dem 19. Jahrhundert machten einen schmucken Eindruck vor der Skyline der Stadt. Fast surreal wirkten die farbenfrohen Holzhäuser vor den grauen Metallbauten.
Danach führte unser Weg durch die Filbert Street bis hoch zur Lombard Street.

Die Hänge wurden immer steiler. An einigen Stellen war es so krass, dass man Angst hatte, die Autos würden sich verselbstständigen!

Natürlich konnten wir auch die weltberühmten Cable Cars bestaunen. Wir sahen sie aber lieber an, als uns für viel Geld und Zeit bei einer der Haltestellen einzureihen.

Die Lombard Street macht leider nur aus der Vogelperspektive am meisten her. Bei einem gewöhlichen Blick von der Straße erkennt man die schlangenförmige Straße nur bedingt.

Da die Zeit der Abfahrt unserer Alcatraz-Tour näher rückte, begaben wir uns auf den Weg zum Hafen. Am Pier 33 legte unser Schiff der Alcatraz-Cruises ab und es folgte eine ca. 20 minütige Fahrt über das Meer. Vom Schiff hatte man einen wunderbaren Blick auf die Golden Gate Bridge und die Skyline der Stadt.

Auf der Insel angekommen, bekam man sofort eine Gänsehaut. Automatisch stellten wir uns vor, wie es für die Häftlinge gewesen sein muss in diesem Gefängnis eingesperrt zu sein.
Zunächst sahen wir einen Film über die Geschichte des Hochsicherheitsgefängnisses, dann folgte eine Audio-Guide-Tour durch die Mauern des über 150 Jahre alten Gebäudes.
Wir hatten uns bereits Zuhause in Deutschland auf einen Besuch des Gefängnisses eingestimmt und den Film „The Rock – Fels der Entscheidung – gesehen.

Das Gefängnis galt als so sicher, dass ein Ausbruch unmöglich gewesen sei. Sollte es ein Gefangener doch geschafft haben sich aus den Mauern zu befreien, sei er spätestens in den reißenden Wellen des Meeres gestorben. Einmal hatte es einen Fluchtversuch von drei Gefangenen gegeben. Sie hatten sich mittels Kochlöffel und Suppenkelle ein Loch durch die Zellenwände gegraben und waren durch die Belüftungsschächte nach draußen gelangt. Mit einem selbstgebauten Schlauchboot hatten sie versucht das Meer zu bezwingen. Jedoch wurden eine Zeit später Teile des Bootes gefunden und es schien, als seien die Flüchtigen in den Wellen gestorben. Gefunden hat man die Leichen nie…

Als besonders belastend beschrieben die Insassen die Nähe zu San Francisco. Sie konnten die Stadt sehen und hören, aber sie konnten am Leben nicht teilnehmen. Sie saßen in ihren Zellen und hatten nichts. Die Stadt war so nah und doch so unglaublich fern…

Im Jahr 1946 war es im Hochsicherheitsgefängnis zu einer Revolte durch den Häftling Bernarnd Coy gekommen. Auf dem Fußboden des Zellentraktes waren hier und da noch Einschläge der Kugeln des Feuergefechtes zu erkennen. Die Insassen hatten sich im Gefängnis verschatzt und wollten mit Geiselnahmen der Wärter versuchen ihre Flucht zu erpressen. In einem Schusswechsel starben sowohl Coy als auch zwei seiner Kumpanen. Die anderen Beteiligten wurden im Nachhinein zum Tode verurteilt, da sie sich an der „Schlacht um Alcatraz“ beteiligt hatten.

Da wir die letzte Tour an diesem Tag gebucht hatten, waren wir bis zum Schließen der Tore auf Alcatraz. Die Sonne ging bereits langsam unter und die ganze Szenerie wurde noch unheimlicher…

Zurück auf dem Festland, besuchten wir erneut den Pier 39. Zum Abendessen konnten wir uns die berühmten „Chowder“ nicht entgehen lassen! Eine Muschelsuppe serviert in einem Sauerteigbrot.

Nach dieser leckeren Mahlzeit fuhren wir von der „Powell-Station“ nach Oakland. Nichts ahnend schlenderten wir vom Bahnhof in Richtung unseres Hotels. Plötzlich rannte ein Mann an uns vorbei. In seinen Händen trug er eine riesige Zange. Zielsicher ging er auf den Fahrradständer des Bahnhofes zu, kniff unter gewaltigem Hin- und Her das Schloss eines der Fahrräder durch und flüchtete auf dem Fahrrad Richtung Hauptstraße. Jens hatte innerhalb von Sekunden reagiert und schon die 911 gewählt. Einem Police Officer schilderte er das Gesehene. Eine ganze Weile später erschien ein Officer der Bart Police vor Ort. Der Dieb war leider schon über alle Berge, aber immerhin konnten wir eine sehr genaue Beschreibung abliefern.
Das war ein Tag! Aufgewühlt von den Ereignissen, aber mit warmer Suppe im Bauch beendeten wir den 17. Tag unserer Reise.
Tag 18
Oakland – San Francisco – Battery Spencer – Baker Beach – Monterey
Bevor es an diesem Tag losgehen konnte, mussten wir uns mit der Bezahlung des Tolls der Golden Gate Bridge beschäftigen. Wir hatten zwar zunächst vor die Stadt in Richtung Norden zu verlassen, wollten aber nach einem Besuch der anderen Seite auch wieder über die Brücke in die Stadt hineinfahren. Da wir kein Bezahlgerät im Mietwagen hatten, mussten wir die Bezahlung vor Antritt der Fahrt vornehmen. Allerdings erwies sich der Vorgang der Online-Bezahlung dann doch als recht einfach.
Das erste Ziel nach dem Überqueren der Brücke war der Aussichtspunkt „Battery Spencer“. Von dort hatte man einen wunderschönen Blick auf die Golden Gate Bridge. Battery Spencer wurde im 19. Jahrhundert erbaut und diente als Stützpunkt für die Küstenabwehr von San Francisco. Die alten Militärgebäude kann man heute noch besichtigen.

Wir fuhren den Berg weiter hinauf und folgten der Conzelman Road bis zum Marin Headlands Vista Point. Auch von dort hatte man einen schönen Blick auf die Brücke und die Skyline von San Francisco.


Nachdem wir den Ausblick genossen hatten, fuhren wir erneut über die Brücke. Diesmal in Richtung der Stadt und so wurde auch das Toll fällig.
Am Baker Beach machten wir erst einmal eine Schwimm- und Picknickpause. Die riesigen Wellen sorgten für eine angenehme Abkühlung, wobei man sagen muss, dass es insgesamt in San Francisco nicht so heiß war wie zum Beispiel in Los Angeles. Bereits vor der Reise hatten wir gelesen, dass es in San Francisco sehr windig und deswegen auch wesentlich kühler sei. Das konnten wir bestätigen. Aber auch der Blick auf die Golden Gate Bridge aus der anderen Perspektive war sehr sehenswert.

Insgesamt betrachtet hatten wir an diesem Tag wirklich Glück, dass wir die Golden Gate Bridge in ihrer gesamten Schönheit sehen konnten. Denn zumeist liegt sie eingehüllt in dichtem weißen Nebel.
Gegen 02:00 p.m. brachen wir auf. Wir fuhren durch den Golden Gate Park und hätten dort gerne mehr Zeit verbracht, denn der Park ist sehr schön. Wir hatten aber noch einige Meilen vor uns und entschieden, weiterzufahren. Über den Crossover Drive gelangten wir auf die Route 1. Dieser folgten wir immer an der Küste entlang, bis nach Monterey.
Nach 117 Meilen schönster Küstenlandschaft kamen wir in unserem Motel „Surf Inn“ an. Da wir noch nicht zu Abend gegessen hatten, nahmen wir im nahegelegenen „Lalla’s“ eine Mahlzeit ein. Es gab Turkey-Burger, Enchiladas mit Black Beans und dazu American Mule und Hurricane. So beendeten wir entspannt den 18. Tag unseres Abenteuers.
Tag 19
Monterey – Carmel-by-the-sea – Point Lobos State Natural Reserve – Bixby Creek Bridge – Julia Pfeiffer Burns State Park – McWay Falls – Elephant Seal Vista Point – Morro Bay
Wieder lag ein ereignisreicher Tag vor uns! Voller Elan packten wir unsere Siebensachen ins Auto und setzten unsere Reise fort.
Zunächst führte uns der Weg über einen Scenic-Drive durch Monterey. Da es am Tag zuvor bereits dunkel war, haben wir nicht mehr allzu viel von der Stadt gesehen.

Kleine Häuser schmücken die Straße, die sich am wunderschönen Strand entlang schlängelt. An diesem wundervollen Ort könnte man in jedem Fall eine längere Zeit verbringen!
Frühstück gab es im „Old Monterey“ mit einer Auswahl an Eiern, Bacon, Hashbrowns und Bisquits. Das Diner ist sehr zu empfehlen!

Von dort fuhren wir zum Carmel State Beach. Eine kleine Lagune grenzt direkt an das Meer und bietet unzähligen Vögeln einen wunderbaren Lebensraum.
Das Wasser der Süßwasserlagune war angenehm warm und lud auch einige Besucher zum Baden ein.
Immer wieder bekamen wir auf dem Weg über die Küstenstraße die unterschiedlichsten Tiere zu sehen:



Einen weiteren Halt machten wir im Point Lobos State Natural Reserve. Für $10 durften wir mit unserem Auto in den Park, welcher sich als Halbinsel ins Meer erstreckt, hineinfahren.
Über die „Whaler’s Cove“, die „Headland Cove“ und die „Sea Lion Cove“ kamen wir schließlich zu einem Parkplatz von welchem wir zwei Trails wanderten. Den „Sand Hill“ und den „Bird Island“. Beide Trails waren in dieser recht kurzen Zeit gut zu bewältigen. Auf dem Weg kamen wir in der „China Cove“ vorbei, in welcher zwei trächtige Seelöwinnen lagen. Mit dem Fernglas konnten wir viele weitere Seelöwen beobachten und sogar den ein oder anderen Fischotter, der sich auf dem Rücken schwimmend von den Wellen tragen ließ.


So sehr wir es uns auch wünschten, aber Wale konnten wir auf unserer Reise leider nicht sehen. Sie waren bereits vor Wochen an Point Lobos vorbeigezogen und würden erst im nächsten Jahr wiederkommen.

Über die Route 1 ging es weiter über die Bixby Creek Bridge. Sie ist die älteste Einbogenbrücke der Welt und auch eines der bekanntesten Bauwerke auf der Küstenstraße Richtung Los Angeles.


Unser nächstes Ziel war der Julia Pfeiffer Burns State Park. Dort parkten wir unser Auto und wanderten auf dem Waterfall-Trail Richtung McWay Falls.
Der Trail führte uns an einen verwunschenen Ort. Von den Klippen einer kleinen Bucht fiel ein Wasserfall hinab und vereinte sich am Fuße mit dem Meer.
Mauern einiger zerfallener Gebäude erzählen die Geschichte des Paares, welches in den 30er Jahren hier in einem großzügigen Anwesen residierte. Durch ein Unwetter wurde das Anwesen in den 60er Jahren zerstört und nachfolgend das Gebiet zu einem Naturschutzgebiet erklärt.

Leider war das Wetter an diesem Tag relativ schlecht und wir hatten nicht das Glück diesen wunderschönen Platz in der strahlenden Sonne zu fotografieren.
Nach weiteren 48 Meilen auf der Route 1 kamen wir zum Elephant Seal Vista Point. Vor uns lag ein langer Strand mit unzählig vielen Seeelefanten! Mein Herz machte einen Hüpfer! Ich freute mich wahnsinnig über die Begegnung mit den Tieren und wusste gar nicht, welches Motiv ich zuerst fotografieren sollte.





In ihrer natürlichen Umgebung fühlten sich die Seeelefanten sichtlich wohl und ließen sich auch nicht durch die Touristen stören, welche den schmalen Weg oberhalb des Strandes entlanggingen.
Zunächst etwas traurig, wussten wir, dass es innerhalb der nächsten Minuten dunkel würde. Die Dämmerung war bereits bei unserer Ankunft eingetreten und lange würde es nicht mehr hell genug zum Fotografieren sein. Wir folgten dem Weg trotzdem noch eine Weile…
Auf einer nahegelegenen Klippe machten wir Halt und waren plötzlich sprachlos. Vor uns ereignete sich der schönste Sonnenuntergang den wir jemals gesehen hatten. Ich war so gerührt, dass ich sogar eine Träne vergoss. Die Natur zeigte sich in ihrer ganzen Schönheit und wir hatten die Ehre dabei zu sein.

Eine ganze Weile standen wir schweigend nebeneinander und genossen dieses Spektakel. Bevor es gänzlich dunkel war, traten wir den Rückweg zu unserem Auto an. Die jungen Seeelefantenbullen brüllten und rangelten am Strand. Einer der schönsten Abende auf unserer Reise…
Bei einem Athena Burger und einem Sierra Nevada Bier im „House of Juju“ im Hafen von Morro Bay beendeten wir diesen wundervollen Tag.
Tag 20
Morro Bay – Solvang – Santa Barbara – Ventura
Den 20. Tag unserer Reise starteten wir mit Flakes und Muffins auf dem Zimmer und fuhren dann erst einmal zum Morro Rock. Denn den hatten wir gestern Abend nicht mehr gesehen, schließlich war es schon stockfinster als wir ankamen.

Der Berg sah aus wie eine Kugel die zur Hälte im Boden versunken ist.
Mit dem Auto konnten wir bis an den Morro Rock heranfahren und einige Möven und Sandpiper beobachten.


Sandpiper gab es in Morro Bay sehr viele, vermutlich wurde aus diesem Grund auch unser Motel, das „Sandpiper Inn“, nach ihnen benannt.

Danach mussten wir die Route 1 für einen Ausflug nach Solvang verlassen. Die 1911 gegründete Stadt erweckte den Eindruck, als hätten wir eine Zeitreise unternommen und wären plötzlich im alten Dänemark angekommen. Alles passte zusammen, wir mussten uns in Dänemark befinden! Aber nein, Solvang, was auf dänisch soviel wie „sonniges Feld“ bedeutet, lag mitten in Kalifornien. Dänische Pädagogen hatten die Stadt gegründet und sie im echten dänischen Stil erbaut. Alte Fachwerkhäuser, eine Mühle, dänische Kost… Es fehlte an nichts!

Nach dieser Zeitreise führte unser Weg weiter auf der Küstenstraße bis Santa Barbara. Dort bestiegen wir den Turm des Courthouses, von dessen Dach wir einen wunderschönen Blick über die Stadt hatten.


Die Häuser erinnerten an eine alte spanische Stadt mit ihren weißen Fassaden und den orangeroten Ziegeln.
Eine längere Pause mit Picknick und Abkühlung im Meer machten wir am Butterfly Beach. Da es für die meisten Amerikaner bei knapp 20 Grad Lufttemperatur bereits zu kalt war, hatten wir den Strand fast komplett für uns alleine.
Das letzte Ziel an diesem Tag war unser Motel „Chrystel Lodge“ in Ventura. Und es war auch das letzte Motel auf unserer Reise, da am nachfolgenden Tag die Rückreise nach Deutschland anstand.

Als wir das Zimmer des Motels betraten waren wir voll von den Socken! Ein großes super modern eingerichtetes Zimmer, in dem es an nichts mangelte. Solch einen riesigen Kühlschrank hatten wir auf unserer gesamten Reise noch nicht gesehen. Und der Ofen erst!
Da uns am letzten Abend der Reise nicht nach „selbstkochen“ zumute war, holten wir uns Downtown noch ein paar Fisch-Burritos.
In der Stadt war noch ziemlich viel los und aus den vollen Bars klang Karaokemusik. Uns war aber nicht so sehr nach feiern, denn ein bisschen mussten wir schon an den morgigen Abschied denken.
Und so beendeten wir den letzten Abend auf amerikanischen Boden.
Tag 21
Ventura – Malibu – Santa Monica – Los Angeles
Am Tag der Abreise fuhren wir von Ventura nach Malibu. Wir wollten uns unbedingt den berühmten Strand der Stars und Sternchen ansehen. Leider war es aber zum einen total regnerisch und zum anderen eine unglaubliche Frechheit, was sie dort an Parkgebühren verlangten! Das brachte uns zu dem Schluss, dass wir keine Lust auf die Schönen und Reichen und schon gar nicht auf Parkgebühren hatten.
Also fuhren wir weiter nach Santa Monica. Dort fanden wir auch promt einen kostenlosen Parkplatz und per pedes besuchten wir den Santa Monica Pier. Dort steppte ganz schön der Bär… Auf dem Pier mangelt es für Ringelpiezbegeisterte an nichts! Der Pacific Park bietet vom Riesenrad bis zur Achterbahn alles was das Herz begehrt.
Unser Herz begehrte eher die Ruhe vor der Abreise. Deswegen unternahmen wir einen letzten Spaziergang über die Promenade bis zum Venice Beach, machten ein paar Klimmzüge vor dem langen Sitzen und verabschiedeten uns von der unglaublichen Reise durch den Westen der United States of America.

Gegen 03:00 p.m. gaben wir unseren liebgewonnen Chevrolet bei Alamo ab und machten uns auf den Weg zum Flughafen.

Der Flieger war eine einzige Katastophe und der Rückflug unumwunden: eine Qual. Nach einer Panikattacke und fast nicht zu unterdrückender Übelkeit kamen wir wieder im regnerischen Deutschland an.

In Hannover wurden wir bereits sehensüchtig erwartet! Meine Eltern überraschten uns am Flughafen und waren froh, dass wir heil – wenn auch blassgelb im Gesicht – wieder zurück in der Heimat waren.

Trotz der vielen Reisen, die wir gemeinsam in der Vergangenheit unternommen haben, war diese etwas ganz Besonderes.
Es heißt, man behielte seine erste Fernreise immer in ganz besonderer Erinnerung. Das können wir bestätigen. Jeder Moment ist uns auch nach über einem Jahr noch bewusst vor Augen. Wenn wir uns die Bilder ansehen, können wir fast wieder die Gerüche in Venice Beach wahrnehmen und das Brüllen der Seeelefanten hören.