100 Kilometer per pedes
Von Osterode nach Thale
Gesagt, geplant, getan!
Schon bei den ersten Ausflügen in den Harz, kreuzte immer wieder der Harzer Hexenstieg unseren Weg. Im Januar 2016 auf einem Ausflug nach Sankt Andreasberg, wälzten wir abends im Hotel einige Broschüren. Darunter auch eine Lektüre über den Hexenstieg. Unsere Neugier auf den Weitwanderweg wurde immer größer und so beschlossen wir, ihn noch im selben Jahr zu wandern.
Gesagt…
…hatten wir, dass wir den Hexenstieg nur mit dem Rucksack, Schlafsäcken und einem Zelt bestreiten wollen. Auch wollten wir uns komplett selbst versorgen und nicht zwingend auf Lebensmittelmärkte angewiesen sein. Die Wanderung sollte uns „zurück zur Natur“ führen und gleichzeitig den netten Nebeneffekt des günstigen Urlaubes mit sich bringen.
…hatten wir auch, dass es ganz sicher kein Problem ist, die 100 Kilometer in allerhöchstens vier Tagen zu bestreiten. Dass es bestimmt ein tolles Gefühl ist, draußen zu übernachten und der Natur ganz nahe zu sein.
Geplant…
Zunächst mussten wir einen geeigneten Zeitpunkt für unsere Wanderung finden. Da der Harz im Mai ganz besonders schön ist, entschlossen wir uns für das Pfingstwochende. Natürlich konnten wir an diesem Wochende mehr Besucher auf dem Hexenstieg erwarten, aber das Wetter war Anfang Mai wunderschön.
Vielleicht erinnert ihr Euch noch an die phänomenalen zwei Wochen strahlenden Sonnenscheins bei 20 Grad im Mai 2016? Ja? Ich erinnere mich auch noch sehr gut! Denn wir starteten am 14.05.2016. Einen Tag nachdem das Wetter total umgeschlagen war. Aber dazu später mehr.
Nachdem das Datum fest stand, mussten wir uns überlegen, was wir auf die Wanderung mitnehmen wollten. Unsere beiden Rucksäcke, ein 68 und ein 30+5 Liter Ospray-Rucksack, boten viel Platz. Das tückische an den größeren Rucksäcken ist, dass man den vorhandenen Platz auch gut vollpackt. Das man zuviel eingepackt hat, merkt man beim Aufziehen. So ging es uns auch, denn Jens‘ Rucksack brachte stolze 16 Kilo auf die Waage. Als Backpacking-Anfänger dachten wir uns aber nichts dabei und waren froh, dass wir alles untergebracht hatten.
Die folgenden Dinge erschienen uns auf unserer ersten Backpacking-Reise unerlässlich:
- Zelt (3-Personen-Zelt mit schweren 4 Kilo)
- Zwei kleine Sommerschlafsäcke
- Zwei Isomatten
- Jeweils zwei Hosen, vier T-Shirts, fünf Unterhosen, sechs Paar Socken
- Zippbeutel
- Gaskocher
- Ersatzkartusche
- Töpfe, Teller, Tassen, Besteck
- Lebensmittel
- Wasserflaschen + Wasserschlauch
- Survivalgürtel à la Rüdiger Nehberg
- Karten über den Hexenstieg + Harzer Wandernadel-Wanderführer
Die Liste ist sicherlich nicht abschließend und soll einen Überblick über die aus unserer Sicht wichtigsten Dinge geben.
Etwas über unsere Lebensmittel und die dazugehörigen Rezepte für die Outdoorküche kannst Du hier nachlesen.
Tipp:
Um die Bekleidung vor Nässe zu schützen, packten wir sie in Zippbeutel. Man muss dazu nicht die teuren Packbeutel aus dem Outdoorgeschäft erwerben. Die Zippbeutel aus dem Drogeriemarkt sind genauso gut geeignet und wesentlich günstiger! Neben dem Nässeschutz, bringen die Beutel auch eine echte Platzersparnis im Rucksack. Durch das Herausdrücken der Luft, lassen sich die Bekleidungspäckchen ganz schmal zusammenlegen. Ich habe mir für die einzelnen Tage schon fertige Päckchen zusammengestellt. Das heißt, ich habe in einen Zippbeutel ein T-Shirt, Socken und eine Unterhose gepackt. Es hat sich als absolut praktikabel erwiesen und ist durchaus zu empfehlen!
Wir packten und verschnürten die Rucksäcke und am Vormittag des 14.05.2016 konnte es dann losgehen.
Getan…
Zunächst fuhren wir nach Osterode am Harz, von wo wir unsere Wanderung starteten. Wir parkten unseren alten Schweden auf dem Parkplatz Bleichestelle, wo sich auch der Start- beziehungsweise Endpunkt des Hexenstieges befindet.
Wie bereits erwähnt, hatte sich das Wetter komplett verändert. Der Himmel war mit dicken Wolken verhangen und die Sonne hatte keine Chance ein paar Strahlen gen Erde zu senden. Dazu kam ein unangenehmer kühler Wind und immer wieder Regenschauer.
Aber für uns war klar: Wir ziehen es durch! Es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter…


1. Etappe (11 Kilometer)
Osterode – Pixhaier Teich
Von Osterode folgten wir dem Hexenstieg über den Eselsplatz, den Marienblick, die Rote Sohl, das Mangelhalber Tor, den Dorotheenblick bis zum Bärenbrucher Teich.



Auf der Suche nach unserem ersten Nachtquartier, kam uns der Campingplatz Prahljust am Pixhaier Teich gerade gelegen. Der nette Herr am Empfangstresen konnte zwar nicht glauben, dass wir bei diesem Wetter tatsächlich eine Nacht im Zelt wagen wollten, teilte uns aber dennoch einen schönen Platz mit Seeblick zu. Ab dem späten Nachmittag wurde es immer kälter und der Himmel zog sich bedrohlich zu. Wir ignorierten diese Tatsache allerdings und zogen entspannt einige Bahnen im Campingplatz eigenen Hallenschwimmbad. Danach gönnten wir uns eine heiße Dusche und weil es sich eben anbot, nahmen wir eine kleine Mahlzeit im Waldgasthof Rübezahl ein.
Von innen und außen gewärmt, begaben wir uns in Schlafposition in unserem Zelt. Gegen Mitternacht wurden wir von einem heftigen Regen geweckt. Die Tropfen schlugen nur so auf unser Zelt ein und ich merkte, wie sich das Wasser neben mir seinen Weg bahnte. An Schlaf war nun nicht mehr zu denken, an einigen Stellen klebte bereits die Zeltplane auf dem Innenzelt. Dazu war es mittlerweile so unglaublich kalt geworden, dass ich zitterte wie Espenlaub. Mir war noch nie im Leben so kalt gewesen und langsam fing ich an, auch Jens die letzte Wärme, zusammengekuschelt im Partnerschlafsack, zu entziehen. Also schlotterten wir gemeinsam und sehnten dem Morgen entgegen. Wie lang so eine Nacht sein kann!
Am nächsten Morgen klaubten wir unsere Siebensachen zusammen und verfrachteten sie für die nächsten Stunden in einen Trockenraum. In der Zwischenzeit wollten wir in der Gemeinschaftsküche unser Frühstück zubereiten. Aber auch das verlief anders als erwartet. Aus unserem Trockenei sollte ein Rührei deluxe entstehen. Leider nahm ich viel zu viel Wasser, so dass wir eine geschlagene Stunde am Herd verbrachten und unablässig rührten. Ganz zur Unterhaltung der anderen Gäste, die sichtlich amüsiert waren. Aber immerhin kamen wir mit anderen Reisenden ins Gespräch. Am Ende gelang uns das Rührei und dazu gab es schwallgebrühten Kaffee und Brötchen vom Campingkiosk.
Vor lauter Regen, haben wir leider von der kompletten ersten Nacht unserer Campingaction keine Fotos. Aber ich denke, ihr könnt Euch schon vorstellen wie das Ganze ausgesehen hat!
2. Etappe (9 Kilometer)
Pixhaier Teich – Altenau
Nach dem Frühstück waren zum Glück all unsere Sachen wieder trocken und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Der Hexenstieg führte uns vom Pixhaier Teich über den Innerstesprung, die Huttaler Widerwaage, den Polsterberg, das Sperberhaier Dammhaus und die Eisenquelle.


Das eigentliche Ziel des Tages war Torfhaus. Durch das nasskalte Wetter und da wir uns immer wieder unterstellen mussten – es hagelte zwischendurch nämlich Hunde und Katzen – entschieden wir uns nach Altenau abzusteigen. Es war mittlerweile so kalt, dass wir uns gegen eine weitere Nacht im Freien entschieden und kehrten in die Jugendherberge Altenau ein. Als kleinen Tipp, können wir dort das grandiose Frühstücksbuffet empfehlen!
Da wir nun eh schon den Plan, nur im Freien zu übernachten, über Bord geworfen hatten, relxaten wir den Abend in der Kristall-Theme „Heißer Brocken“…
3. Etappe (11 Kilometer)
Altenau – Torfhaus
Nachdem leckeren Frühstück in der Herberge, setzten wir unseren Weg fort. Der Hexenstieg führte uns an diesem Tag über die Steile Wand bis nach Torfhaus.






Der Weg nach Torfhaus war für uns der schönste Abschnitt der Wanderung. Schmale Waldwege durch eine zerklüftete, wilde und naturbelassene Landschaft. Je höher wir stiegen, desto kälter wurde es. Hier und dort lag sogar ein bisschen Schnee. Da unser Equipment für solche Temperaturen leider überhaupt nicht ausgerichtet war, mussten wir uns auch für diese Nacht wieder eine Unterkunft suchen. Torfhaus ist ein Hotspot für Touristen und dank des dortigen Harzresorts auch ein Magnet für „Gutbetuchte“. Also wo schlafen? Wir klopften beim Wanderheim des Harzklubs und baten um eine Unterkunft. Ein älteres Ehepaar kam gerade von einer Wanderpartie wieder und lauschte unserem Anliegen. Ein bisschen mulmig wurde uns schon, als die ältere Dame im Heim verschwand, da sie zuerst die Vorsitzende um Rat fragen musste und sie nicht sehr begeistert ob unseres Erscheines war. Wenn sie nun „nein“ sagen würde, dann würden wir noch eine Nacht unglaublich frieren und diesmal lagen die Temperaturen noch ein paar Grad niedriger.
Aber zum Glück gewährten uns die Mitglieder des Harzer Wandervereins einen Unterschlupf und so konnten wir eine Nacht im Stockbett verbringen. Doch bevor wir waghalsig in die Betten kletterten, nahmen wir noch eine rustikale Mahlzeit in der Bavariaalm ein.
Damit der Brockenaufstieg am nächsten Tag leichter fallen würde, gab es zum Abschluss des Abends noch ein Glas „Maikäferflugbenzin“.


Am nächsten Morgen frühstückten wir mit den Herrschaften des Wandervereins und nach dem gemeinsamen Abwasch, setzten wir unseren Weg fort.
4. Etappe (20 Kilometer)
Torfhaus – Brocken – Schierke
Noch in Torfhaus versuchten wir verzweifelt an etwas Bargeld zu gelangen. Leider war der einzige Geldautomat, der sich im dortigen Globetrotter Store befindet, leer. Da wir überhaupt kein Geld mehr hatten – denn eigentlich war ja der Plan, die Tage komplett ohne Geld auszukommen – konnten wir auch die Unterkunft des Wandervereins nicht bezahlen. Die netten Wandersleut‘ gaben uns ihre Bankverbindung und wir beteuerten, das schuldig gebliebene Geld nach Erreichen der Zivilisation, zurückzuzahlen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an den Harzklub!
Der Hexenstieg führte uns an diesem Tag über den Goetheweg zum Abbegraben und das Große Torfhausmoor, den Quitschenberg, den Eckersprung und sogar über die ehemalige Grenze der DDR.


Bei unserem Aufstieg zum Brocken, konnten wir auch die Harzer Schmalspurbahn bestaunen. Wer hätte es gedacht, aber auf dem Brocken kamen wir das erste Mal zu etwas Bargeld, denn der dortige Automat war nicht leer…


An diesem Abend hatten wir zunächst einen geeigneten Platz für unser Zelt gefunden. Da es aber immer noch bitterkalt war, war uns nicht wohl zumute bei dem Gedanken, die Nacht wieder frieren zu müssen. Auf dem Brocken war es so kalt und nass gewesen, dass wir nicht einmal die Kameras herausgeholt haben.
Also entschlossen wir uns, den Hexenstieg für diese Nacht zu verlassen und nach Schierke abzusteigen. Auf dem Weg in den kleinen Ort, kamen wir auch am Ahrensklint vorbei.


Unterschlupf fanden wir im Ferienhaus „Rehlein“, wo wir von dem Besitzer sehr unfreundlich empfangen wurden. Nach einer kurzen „Eiszeit“, erwies sich der Herr doch noch als passabler Herbergsvater und bereite uns sogar am nächsten Morgen ein nettes Frühstück.

5. Etappe (24 Kilometer)
Schierke – Königshütte – Altenbrak
Frisch gestärkt ging es ein Stück bergauf, bis wir wieder auf dem Hexenstieg angekommen waren. Zunächst folgten wir dem Glashüttenweg über den Trudenstein. Dann führte uns der Stieg über Drei Annen Hohne, Königshütte mit der Burgruine Königsburg bis nach Rübeland.




Auf dem Weg nach Drei-Annen-Hohne kamen wir auch am Natur-Erlebniszentrum Hohne-Hof vorbei. Dort gab es neben einer interessanten Ausstellung über heimische Tier- und Pflanzenarten auch leckeren Kuchen und eine Tasse Kaffee.

Zum „Nachtisch“ schlabberten wir bei „Kukkis Erbsensuppe“ einen heißen Teller der leckeren Suppe. Kukki ist Kult und seine Suppe, bei einem Besuch in Drei-Annen-Hohne, Pflicht.
Dann setzten wir unsere Wanderung über den Hexenstieg fort. Unser nächstes Ziel war der Königshütter Wasserfall, Königshütte und die Burgruine Königsburg.





Am Abend hatten wir nach über 20 Kilometern Rübeland erreicht. Dort bekamen wir einen Unterschlupf in der „Harzbaude Susanne“. Die liebenswürdige Wirtin hatte uns einige belegte Brötchen und vier Flaschen Bier auf unser Zimmer gestellt. Das war ein Festmahl! Der Abend ist uns gut in Erinnerung geblieben. Den ganzen Tag über frische Luft und kaum Pausen, da wir ein bisschen Strecke machen wollten. Die Füße glühten und der Magen knurrte.
Wir waren bereits seit fünf Tagen unterwegs, dabei war der anfängliche Plan, den Hexenstieg in maximal vier Tagen zu bestreiten. Und wir waren noch lange nicht am Ziel…
6. Etappe (15 Kilometer)
Rübeland – Altenbrak
Nach einem leckeren kleinen Frühstück in der Harzbaude, folgten wir weiter unserem Hexenstieg Richtung Altenbrak. An diesem Tag führte uns der Weg über Neuwerk und Wendefurth bis nach Altenbrak.
Zwischendurch ließ sich tatsächlich mal die Sonne blicken! Diesen Moment mussten wir unbedingt nutzen.



Nach Überqueren der Rappbodetalsperre und der Talsperre Wendefurth, lasen wir auf einem Schild „Frische Fische“. Wir folgten dem Schild und dem leckeren Duft bis zum Wendefurther Bootsverleih. Mitten auf dem See war ein Anleger in einen Biergarten verwandelt worden und bot frischen Fisch und kühles Bier an. Eine wahre Wonne!


Die Brötchen waren unheimlich lecker und wir konnten fast gar nicht genug davon bekommen! Aber wir hatten bereits gehört, dass es in Altenbrak die Forellenzucht Zordel gibt, bei der man frisch gefangene Forellen essen kann. Um keinen Eiweißschock zu bekommen, beließen wir es dann bei den beiden Brötchen und freuten uns schon auf die Forellen. Nach den letzten Tagen Frieren und Laufen, Laufen, Laufen war auch schon der Gedanke an eine warme und leckere Mahlzeit guter Treibstoff für die nächsten Kilometer.

Der Weg nach Altenbrak bot einige Sehenswürdigkeiten. Neben der wunderschönen Natur, haben wir dieses kleine Häuschen in einem Garten entdeckt. Die Hexe schien aber an diesem Nachmittag nicht zuhause zu sein…
Um einer eventuell aufkommenden Langeweile entgegenzuwirken, hatte sich der Harzklub etwas lustiges überlegt. Den Tannenzapfenweitwurf!

In Altenbrak angekommen und nachdem wir eine frische Forelle verputzt hatten, stellte sich mal wieder die Frage nach der Übernachtungsmöglichkeit.
Wir klopften bei ein paar Herbergen an, entschlossen uns dann aber erst einmal noch weiter zu gehen. Es war bereits Abend, als ein Ferienhaus-Besitzer uns den Tipp gab, dass sich einige Kilometer im Wald eine Köhlerhütte befinden würde.
Also folgten wir seinem Tipp und wanderten weiter in den Wald hinein. Und tatsächlich! Nach einigen Kilometern stießen wir auf eine Köhlerhütte. Dies sollte also unser Nachtquartier sein. Schließlich war es schon immer mein Wunsch, mal fernab der Städte im Wald zu übernachten. Aber jetzt, da es schon dunkel wurde und es mucksmäuschen still war, bekam ich schon ein flaues Gefühl im Magen.
Da die Hütte augenscheinlich die meiste Zeit für Lagerfeuer genutzt wurde, konnten wir das Zelt nicht darin aufbauen. Also staffierten wir einen kleinen Platz mit losen Baumstämmen aus und bauten unser Zelt auf. Natürlich achteten wir darauf, dass wir keine Pflanzen zertraten. Es war ein kleiner Platz, auf dem ausschließlich Gras und ein paar Brennnesseln wuchsen.


Gegen Abend wurde es wieder kälter und wir entschlossen uns, ein kleines Lagerfeuer in der Köhlerhütte zu entzünden. So lange es noch hell war, bereitete ich unser Abendessen zu. Aus Mehl, Trockenhefe und Wasser wurde ein leckeres Stockbrot, dazu gab es rohes Gemüse und Rotwein aus einem Trinkbeutel.




Die Nacht im Wald war weitaus angenehmer als die auf dem Campingplatz. Es hatte zum Glück nicht angefangen zu regnen, es kam keine Wildschweinrotte durch unser Zelt gelaufen und ich war beim nächtlichen Toilettengang nicht von einem Jäger erschossen worden. Wobei ich das sogar kurzzeitig befürchtete. Denn ich musste leider sehr dringend das Zelt verlassen, als in der Nähe ein Schuss fiel. Jens hat es aber geschafft mir gut zuzureden, so dass ich mich letztendlich doch traute das Zelt zu verlassen.
Am nächsten Morgen hatte Jens das Zelt schon verlassen und ein Foto von mir geschossen:

Sowohl steif gefroren als auch steif gelegen, schälte auch ich mich aus dem Zelt. Leider war durch den Morgentau alles sehr klamm geworden. Wir entzündeten erneut ein kleines Feuer und wärmten uns und unsere Sachen auf. Dann gab es ein Frühstück bestehend aus Haferschleim, Kaffee und kaltem Stockbrot.

Leider war ein Funke auf unserer Zeltplane gelandet und hatte direkt ein Loch hineingebrannt. Das erklärt auch meinen äußerst kritischen Blick auf diesem Bild.
7. Etappe (13 Kilometer)
Altenbrak (irgendwo im Wald) – Thale
Nach dem gehaltvollen Frühstück traten wir den letzten Teil unserer Hexenstiegtour an. Der Weg führte uns nach Treseburg, wo wir über den Einstieg in die Bodetalschlucht dem wunderschönen Auenwald folgten.


Weiter führte uns der Hexenstieg über die Gewitterklippen, den Bodekessel, die Teufelsbrücke und die Jungfernbrücke, den Brunhildeweg bis nach Thale.




Als wir das Naturschutzgebiet verlassen hatten, konnten wir sogar unseren geliebten Bärlauch ernten, der im Mai in seiner schönsten Blüte steht.
Aber auch der Waldmeister blühte und wir nahmen einige Stängel des duftenden Grüns mit.

Kurz vor Thale machten wir im Gasthaus Königsruhe einen Halt und aßen die letzte Forelle unserer Wanderung.
Jetzt wussten wir, dass es nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel waren. Wir rafften uns auf und steuerten auf den Bahnhof Thale zu. Nach ca. 6 Kilometern hatten wir den Bahnhof erreicht und nahmen feierlich die Wandernadel des Harzer Hexenstieges entgegen! Da wir noch etwas Zeit hatten, bis der Zug kam, durchschritten wir selbstverständlich auch das Hexenportal!


Auf der Wanderung lernten wir einige Menschen kennen, die wir immer wieder zwischendurch auf dem Weg trafen. Darunter war ein Pärchen mit dem wir uns die Unterkunft im Haus Rehlein teilten. Sie waren vom Herbergsvater genau so wenig begeistert wie wir… Einen Vater mit seinem Sohn trafen wir auf dem Brocken. Wenig später auf dem Weg nach Rübeland halfen die beiden mir mit Pflastern aus, da ich mir Blasen gelaufen hatte.
Und tatsächlich trafen wir uns alle an diesem Tag am Bahnhof wieder und stiegen in den selben Zug Richtung Norden. Wir fuhren nach Hildesheim, das Pärchen nach Hannover und Vater und Sohn nach Hamburg.
Ein kurzes Fazit:
- Man sollte Wegstrecken nicht unterschätzen, vor allem wenn sie nicht eben sind, sondern über Berg und Tal führen. Aus den 4 anvisierten Tagen wurden 7.
- Man sollte das Wetter nicht unterschätzen, vor allem nicht im Mai. Aus geplanten Übernachtungen im Freien, wurden 4 Übernachtungen in Herbergen.
- Man sollte nicht damit rechnen, dass man überall Lebensmittelmärkte oder Geldautomaten findet, schon gar nicht im Harz. Einkaufen waren wir nicht einmal, Bargeld konnten wir einmal abheben und das auf dem Brocken!
Alles in allem:
Es war super toll und ich würde es immer wieder machen! Nur nächstes Mal im Sommer…

8 Gedanken zu „Auf dem Harzer Hexenstieg“
Wow. Wirklich respektable Leistung. Ich habe noch nie so einen ausführlichen, mit so vielen tollen Bildern geschmückten Hexenstieg-Bericht gelesen.
Ganz wunderbar verfasst!
Vielen Dank für das wirklich schöne Kompliment! 🙂 Wir haben uns sehr gefreut. Besonders meine Frau, die den Bericht geschrieben hat und gerade unseren Camper über Neuseelands Südinsel steuert. Trotz der Reise ans anderen Ende der Welt haben wir gerade schon wieder Lust auf eine Tour im Harz und Entspannung in Altenau bekommen!
Hallo ihr zwei beiden!
Ein wirklich schöner Bericht ist das! Da ich diesen Sommer auch gerne den Hexenstieg machen möchte, hat er mir wirklich sehr geholfen
Ich überlege noch, wie ich es am besten mache, am liebsten würde ich wild zelten, da ich nicht viel Geld ausgeben möchte und außerdem in vielen Herbergen Hunde nicht erlaubt sind. Webb ich das richtig gelesen habe, habt ihr nur 2 Nächte im Zelt verbracht. War die Köhlerhütte im Naturschutzgebiet? Und hattet ihr das Gefühl, wenn es wärmer gewesen wäre, hättet ihr überall ungestört übernachten können?
Liebe Grüße
Hallo Maike, vielen Dank für Dein Kompliment! Ich habe es auch schon an die Autorin weitergegeben. 🙂 Wir freuen uns sehr, dass Dir unsere Geschichte von der Hexenstieg-Wanderung gefallen hat und sie Dir bei der Vorbereitung Deiner eigenen Tour helfen konnte! Wir hatten tatsächlich weniger Nächte im Zelt verbracht als gedacht oder vielmehr als tatsächlich möglich waren. Die Köhlerhütte fanden wir auf Empfehlung eines freundlichen Einwohners von Altenbrak. Dieser Teil des Harz‘ liegt bereits außerhalb der Nationalparkgrenzen (die Du Dir auf der Karte unter https://www.nationalpark-harz.de/de/downloads/Harz-Karte ansehen kannst). Allerdings gelten besonders im Wald und auch in der „freien Landschaft“ in Deutschland eher restriktive Regeln. In diesem Artikel von Bergfreundin Anni (https://www.bergfreunde.de/basislager/schlafplatz-gesucht-was-ist-wo-erlaubt-beim-wildcampen-in-deutschland/) habe ich gerade nochmal nachgelesen: hier findest Du viele interessante Informationen zum Wildcampen… Wir haben uns in unserem Zelt jedenfalls sehr wohlgefühlt, nachdem wir uns am Feuer in der Köhlerhütte zumindest für den ersten Teil der Nacht gut aufwärmen konnten. Und wenn unsere Tour nicht schon am folgenden Tag zu Ende gewesen wäre, hätten wir sehr wahrscheinlich auch noch weitere Übernachtungen im Freien gewagt.
Viel Spaß bei Deiner weiteren Planung!
Liebe Grüße
—
Jens + Steffi
PS: Deine Geschichte vom Hexenstieg lesen wir ja dann vermutlich auf Deinem Blog!? 😉
Hallo!
Ein Klasse Tour Bericht den wir wollen nächsten Monat den Hexenstieg wandern.
Könntet Ihr vielleicht noch Informationen geben über die Zugfahrt zurück von Thale nach Osterode? Umsteigen, Tickets usw oder wo man die Informationen finden kann.
Danke nochmal für euren wunderbaren Tour Bericht!
Lieben Gruß aus dem Sauerland
Andreas und Tatjana Zimmermann
Hallo Andreas und Tatjana,
vielen Dank für Euren Kommentar! Das freut uns sehr, dass der Bericht Euch gefallen hat!
Leider ist die Zugverbindung zwischen Thale und Osterode eine Katastrophe. Man muss zwei bis dreimal umsteigen, ca. drei Stunden fahren und dafür 30€ p. P. rechnen. Wir hatten damals schon überlegt einen Shuttleservice einzurichten ;-P. Schaut doch mal in der DB-App, z. B. die Verbindung ab Thale Hbf um 17:17 Uhr (Samstags) nach Osterode am Harz Mitte. Umsteigen müsstet Ihr dann in Halberstadt, Goslar und Salzgitter-Ringelheim.
Wir wünschen Euch ganz viel Spaß auf der Wanderung, es lohnt sich (auch der Bahnunsinn)!!
Liebe Grüße aus Nordhessen, Stefanie und Jens
Hallo ihr beiden, es ist wirklich ein sehr schöner, spannender und informativer Bericht, vielen Dank dafür! Ich fahre im Juli hin, und freue ich mich jetzt noch mehr drauf.
Viele Grüße aus Frankfurt!
Malgorzata
Hallo Malgorzata,
das freut uns wirklich sehr, vielen Dank!! Wir hoffen Dein Besuch war schön !
Viele Grüße aus dem Schwalm-Eder-Kreis!
Stefanie und Jens