In der südlichsten Millionenstadt der Welt
Und es ist wieder eine Hauptstadt: Melbourne, die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Victoria. Hier wohnen auch viele der Reisenden, die wir zu Beginn unseres Roadtrips im frühlingshaften Norden von Queensland getroffen hatten, denn hier im Süden herrscht im August und September noch eine winterliche Kälte. Auf diesem Kontinent steht eben auch das gewohnte Klima Kopf!

Abgesehen von den erfrischenden Temperaturen wurden wir auch noch mit Regen in dieser Metropole empfangen. Doch mit der richtigen Kleidung und vor allem nach unserer Ankunft im Hostel – das wir uns nach der „wilden“ Zentrums-Safari gegönnt hatten – stand „Melbourne in zwei Tagen“ ab dem nächsten Morgen nichts mehr im Weg.
Das Zentrum ist trotz der – auf die Fläche bezogenen – 7 x größeren Stadt als New York City (!), gut überschaubar und viele interessante Ziele sind auch gut zu Fuß erreichbar.
Außerdem umläuft die historische Linie 35 den zentralen Geschäftsbereich, mit der man kostenlos fahren und währenddessen interessante Informationen zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten hören kann. Innerhalb dieses Bereichs sind alle anderen öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso kostenlos und man benötigt seine myki-touch-on/touch off-Guthabenkarte nicht, mit der man sich ansonsten – ähnlich dem Opal-System, das wir in Sydney kennengelernt hatten – günstig fortbewegen kann.
Nachdem wir nicht im Swag, sondern wieder mal in einem richtigen Bett geschlafen hatten, fuhren wir nach dem Frühstück mit der Straßenbahn Richtung Innenstadt. Nach etwa 35 Haltestellen stiegen wir direkt am Federation Square aus und erkundigten uns im dort gelegenen Visitor Center nach Aktivitäten, die wir während unseres relativ kurzen Aufenthalts unternehmen könnten.
Für einen geeigneten Einstieg bot sich sogleich eine kostenlose Führung über den Federation Square an, auf der Glenn uns – zusammen mit noch einer weiteren Touristin – über die Geschichte und Architektur unserer unmittelbaren Umgebung informierte.
Wir hatten das Gefühl, dass es Glenn Spaß machte, uns sein Wissen im Auftrag der „City of Melbourne“ mitzuteilen, denn er war nach der gemeinsamen Tour auch noch gern bereit, uns ein Stück durch die Stadt und die für Melbourne typischen Arkaden mitzunehmen.
Nach einer Weile gingen wir dann alleine weiter in Richtung des Queen-Victoria-Markts. Außer Montag und Mittwoch werden hier täglich frische Lebensmittel verkauft. Es gibt eine Menge Fleisch und Fisch, aber auch Kleidung und sonstiges Non-Food sind im Angebot.
Nachdem wir die Markthallen wieder verlassen und unsere kleine Mittagspause mit etwas zu essen + Cappucino beendet hatten, gingen wir östlich Richtung der State Library of Victoria. Bevor wir allerdings die beeindruckende Stadtbücherei besuchten, schauten wir uns in der Swanston Street um. Hier gibt es futuristisch beeindruckende Gebäude auf dem City Campus der RMIT University zu sehen.

Auch die Stadtbücherei hat in ihrem viktorianischen Baustil architektonisch viel zu bieten. Der Prachtbau aus dem Jahr 1854 bewahrt neben 2 Millionen Büchern und 16.000 Zeitschriften (Quelle: Wikipedia) auch die Tagebücher der Stadtgründer sowie die Logbücher und Aufzeichnungen des Kapitäns James Cook:


Außerdem findet man hier eine Ausstellung zum Leben von Ned Kelly – für manche der Robin Hood Australiens – einschließlich seiner Originalrüstung. Dieser mittlerweile berühmteste Outlaw Australiens sei für die Polizei von Victoria immer noch ein Verbrecher und diese Pilgerstätte in Form der Dauerausstellung im zweiten Stock der staatlichen Bibliothek ein Dorn im Auge.
Wir sahen uns die interessante Ausstellung in Ruhe an, nachdem wir auch darüber schon in der hervorragenden GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR NEUSSEELAND von Joscha Remus etwas darüber gelesen hatten.

Anschließend sind wir weiter Richtung Osten zum Parlamentshaus innerhalb des Central Business Districts ein Stück mit der Straßenbahn gefahren und dann in die Fitzroy Gardens gelaufen. Hier gibt’s mal ganz abgesehen vom englischen Garten auch Cook’s Cottage zu sehen. Das Häuschen des Seefahrers wurde 1755 in England erbaut, 1934 nach Australien verschifft und Stein für Stein wieder aufgebaut. Dazu wurden die einzelnen Backsteine nummeriert und in Fässern transportiert.
Leider wurde Cook’s Cottage auch bereits um 17 Uhr geschlossen, so dass wir an diesem Tag keinen Besuch in historischen Gewändern mehr unternehmen konnten.
Stattdessen spazierten wir noch etwas durch den Park und schauten uns die Miniaturstadt Tudor Village und – etwas genauer – den Fairies Tree an:
Während es jetzt bereits auf den Abend zuging, bewegten wir uns wieder grob Richtung Federation Square und spazierten dazu über die geschäftige Collins Street mit ihren Edelboutiquen, vorbei am Rathaus bis zur ANZ „Gothic Bank“, 380 Collins Street, in der sich auch das ANZ Banking Museum befindet.
Zum Abschluss dieses Tages entschieden wir uns dann für gesunde Burger & Bier in einer der schmalen Gässchen, nur ein paar Minuten vom Hauptbahnhof in der Flinders Street entfernt.
Dort füllten wir anschließend unsere myki-Fahrkarten auf, um bis einschließlich des nächsten Tages bereits ausreichend Guthaben für unsere weiteren Fahren mit Melbournes öffentlichen Verkehrsmitteln in der Tasche zu haben.
Natürlich porträtierten wir auch noch den Federation Square und seine Umgebung im Dunkeln, bevor wir in unsere Straßenbahn stiegen und zurück zum Hostel fuhren.
Am Morgen unseres zweiten Tages brauchten wir nach einem natürlich guten Frühstück etwas länger, um unsere Abreise am Abend vorzubereiten, denn dann sollte es zurück zum Flughafen und ab auf die Fidschis gehen!
Wir packten also auch schon mal unsere Rucksäcke, um tagsüber möglichst viel Zeit für unseren nächsten Tour durch die Stadt zu haben.

Heute stiegen wir ein paar Stationen früher aus der Bahn und besuchten den Shrine of Remembrance, die zentrale Gedenkstätte für 60.000 Australier, die im Ersten Weltkrieg starben (Quelle: Wikipedia). Das Kriegsdenkmal ist begehbar und bietet einen ungeahnt guten Blick auf das Stadtzentrum, Richtung Federation Square.


Sieht man etwas genauer hin, kann man in etwa drei Kilometer Entfernung, am Ende der Swanston Street, das „Portrait Building“ erkennen.
Die etwa 100 Meter hohe Skulptur zeigt das Gesicht von William Barak, des letzten indigenen Stammesführers des Wurundjeri-Willam Clans, dessen Mitglieder auch heute noch im Gebiet um Melbourne in Australien leben.
Die Darstellung des Gesichts entsteht nur durch die Wirkung von Licht und Schatten auf den weißen Balkonflächen des Gebäudes.
Nach unserem Ausblick auf die Stadt gingen wir durch den direkt angrenzenden botanischen Garten. Bislang hatten wir in allen australischen Städten die botanischen Gärten besucht und so setzten wir diese Tradition nun auch hier fort.

Und obwohl der Himmel wolkenbedeckt war und es an diesem Tag auch noch regnen sollte, hat sich der Spaziergang wirklich gelohnt.
In der Nähe des Yarra River angekommen, gingen wir wieder etwas stärker „nach links“ auf der Landkarte, bis wir kurz vor der Innenstadt zwei seltene Besucher in der Nähe des angrenzenden Queen Victoria Gardens entdeckten:

Der lachende Hans! Oder vielmehr gleich zwei von der Sorte! Der Laughing Kookaburra sei tatsächlich super selten im Stadtgebiet zu sehen, wie uns ein anderer begeisterter Mann versicherte, der auch gerade das Glück hatte, die beiden hier im Vorbeigehen anzutreffen. Australien hat diesem größten Vertreter der Eisvögel sogar eine Münzserie gewidmet (Quelle: Wikipedia).
Nach dieser Überraschung durch Australiens Wildlife hatten wir gerade noch genug Zeit, um uns im Arts Centre Melbourne vor dem einsetzenden starken Regen zu verstecken. Wir arbeiteten uns bis zur Hamer Hall vor, um schon bald darauf mit ein paar Wolkenlücken die Brücke über den Yarra River zum Hauptbahnhof zu überqueren.

Für die nächsten 45 Minuten setzten wir uns in die Linie 35, um gegen den Uhrzeigersinn beinahe den gesamten Central Business District abzufahren, bis wir schließlich beim Immigration Museum ausstiegen. Sofort mussten wir uns vor einem noch stärkeren Regenschauer verstecken!
Wir überlegten für etwa eine Stunde in das Museum zu gehen, bevor es auch bereits um 17 Uhr schloss, entschieden uns dann aber nur für den weiteren Unterstand bei diesem gerade niederprasselnden Starkregen, der Melbournes Straßen wahrhaftig unter Wasser setzte.
Als der Wolkenbruch überstanden war, gingen wir noch etwas durch die Stadt mit ihren verwinkelten Straßen und Arkaden, folgten dem Arcades and lanes walk und setzten uns nach so vielen Wegen zu Fuß in dem Sträßchen „Center Place“ – durch das wir an unserem ersten Tag mit Glenn gegangen waren – in eines der kleinen Restaurants und aßen etwas zu Abend.
Danach beendeten wir unseren Abend und fuhren zurück zum Hostel, wo wir in der Nähe noch etwas Verpflegung für die anschließende Reise einkauften. Anschließend hatten wir dort glücklicherweise noch die Gelegenheit, etwas Zeit in den gemeinschaftlich genutzten Räumen zu verbringen, bis wir unseren um +5 Stunden (!) verschobenen Flieger erreichen mussten…
2 Gedanken zu „Back to the city“
Endlich mal wieder etwas für das Fernweh in mir! Nachdem ich euch beide wieder zu Hause weiß, lese ich die weiterhin spannenden Berichte doch etwas entspannter!
Jetzt geht es auch peu à peu weiter mit neuen Artikeln! Ich hoffe das Fernweh schafft es bis zum nächsten Jahr, denn da geht unsere Reise ja nach Skandinavien! 🙂